SCHREIBE ICH ODER SCHREIBE ICH NICHT?

Kennst Du das Blütenspiel?

 

Du zupfst an einer Blüte die einzelnen Blätter ab und bei jedem Zupf sagst Du: „Er liebt mich, er liebt mich nicht.“

 

Kenne ich aus Filmen und genauso kam ich mir diese Woche vor.

Es ging allerdings bei mir um die Frage:

 

Schreibe ich ein Buch oder schreibe ich keins?

 

Mir kam schon öfter der Gedanke ein Buch zu schreiben, dann wieder, was für ein Unsinn, gibt doch schon so viele, dann wieder, aber vielleicht nicht so eins.

 

Natürlich nicht, werde ich es doch auf meine eigene Art schreiben.

 

„Danke für meine persönliche Finanzkrise, denn ich bin mir sicher, dass ich niemals da angekommen wäre, wo ich heute bin, wenn ich da nicht durch gemusst hätte.“

 

Oh, ups, das wäre doch mal eine Widmung. Vielleicht greife ich das ja auf.

 

Bisher war meist nach einer Seite Schluss und das Thema erledigt. Nicht so in dieser Woche. Alle Worte wollten plötzlich gleichzeitig aus meinem Kopf.

 

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, waren die Dämonen, die sich breit machten, als ich die Tür zu meiner Vergangenheit wieder aufmachte. Es hört sich vielleicht krass an, aber es war tatsächlich so.

 

Meine ganze Energie war mit einem Mal wie ausgesaugt. Darauf war ich nicht vorbereitet. Es war eine lange dunkle Zeit und die ersten Entwürfe für das Buch, die diese Zeit beschrieben, waren sehr düster.

 

Es ist halt um so krasser, je mehr ich mich davon entferne, also nicht nur von der Zeit, sondern vor allem von der Geisteshaltung, also der Person, die ich in der Zeit war.

 

Eine Mischung aus Trauer wegen der verschwendeten Zeit und unbändiger Freude, vielleicht gerade dadurch an diesem Punkt in meinem Leben angekommen zu sein, beherrschten fast einen Tag. Und ich war erschöpft. Ich spürte es körperlich. 

 

Wenn ich heute Menschen erlebe, die sich in ihrer dunklen Zeit befinden, dann möchte ich ihnen so gerne vermitteln, dass ich das so gut verstehen kann, wenn sie mich ablehnen oder mir tausende Argumente liefern, warum bei ihnen alles anders ist. Ich bin in ihrer Situation einfach zu viel für sie, und ich weiß das, denn ich war auch lange auf der anderen Seite.

 

Dennoch ist es mein besonderes Anliegen zu zeigen, dass es geht und wie. Und vor allem, dass es sich lohnt. Es lohnt sich auf eine unvorstellbare Art diesen Weg zu beginnen, ganz egal, wann man wo ankommt und wo man gerade steht.

 

Es ist wichtig, dass jeder anders ist und andere Wege geht. Mein Buch zeigt, welchen Weg ich gegangen bin und der war echt lang, aber es musste sein.

 

Wissen ist eben nicht Weisheit. Wie oft habe ich Bücher gelesen, fühlte mich total angesprochen und konnte mich dann doch nicht bewegen. Manchmal gab es sogar heftige emotionale Rückschläge, vor allem solange ich im Versager Modus gefangen war.

 

So einfach manches erscheinen mag, ist die Arbeit an sich selbst manchmal schwerer als alles andere.

 

Natürlich tragen wir alle eine Menge Gepäck mit uns und das abzulegen ist eine besondere Aufgabe. Ich stellte fest, dass einiges sehr anhänglich sein kann.

 

PS: Ich habe alles gelöscht und nochmal begonnen. Ich war nämlich mal wieder als Fleißbienchen unterwegs und hatte das Gefühl, das muss so schnell wie möglich fertig werden. Muss es nicht.

 

Nun schreibe ich ganz entspannt und ohne Druck. Muster durchbrechen, ganz wichtig in dem Prozess.